Eine musikalisch inszenierte, literarisch-philosophische Performance
«Fürchte die Wahrheitspropheten, fürchte vor allem jene die bereit sind, für die Wahrheit zu sterben.» So warnt William von Baskerville in «Der Name der Rose», Umberto Ecos Bestseller. Am Ende des Romans bleiben von dem imposanten Kloster und seiner Bibliothek nichts als Schutt, Asche und ein paar Pergamentfetzen.
«Vielleicht», so William weiter, «gibt es … nur eins zu tun, wenn man die Menschen liebt: sie über die Wahrheit zum Lachen bringen, … denn die einzige Wahrheit heißt: lernen, sich von der krankhaften Leidenschaft für die Wahrheit zu befreien.»
Die Wahrheit wird zum Monster, wenn wir glauben, sie könne uns erlösen und unser Zweifeln beenden. Dann brennen die Bücher, in denen gefragt, gesucht, gefunden und argumentiert wird. Bücher, die uns auf vielfältige Weise zeigen, was es heisst zu leben und zu begreifen.
Was wahr ist, können wir immer nur aus menschlicher Perspektive beurteilen; einen objektiven Standpunkt haben wir nicht. Daher sollten wir misstrauisch werden, sobald jemand behauptet, im Besitz der Wahrheit zu sein.
Heißt das nun, dass alles beliebig ist? Keineswegs. Dass uns kein letzter, von aller Perspektive gelöster Standpunkt zur Verfügung steht, bedeutet nicht, dass jede
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Eine musikalisch inszenierte, literarisch-philosophische Performance
«Fürchte die Wahrheitspropheten, fürchte vor allem jene die bereit sind, für die Wahrheit zu sterben.» So warnt William von Baskerville in «Der Name der Rose», Umberto Ecos Bestseller. Am Ende des Romans bleiben von dem imposanten Kloster und seiner Bibliothek nichts als Schutt, Asche und ein paar Pergamentfetzen.
«Vielleicht», so William weiter, «gibt es … nur eins zu tun, wenn man die Menschen liebt: sie über die Wahrheit zum Lachen bringen, … denn die einzige Wahrheit heißt: lernen, sich von der krankhaften Leidenschaft für die Wahrheit zu befreien.»
Die Wahrheit wird zum Monster, wenn wir glauben, sie könne uns erlösen und unser Zweifeln beenden. Dann brennen die Bücher, in denen gefragt, gesucht, gefunden und argumentiert wird. Bücher, die uns auf vielfältige Weise zeigen, was es heisst zu leben und zu begreifen.
Was wahr ist, können wir immer nur aus menschlicher Perspektive beurteilen; einen objektiven Standpunkt haben wir nicht. Daher sollten wir misstrauisch werden, sobald jemand behauptet, im Besitz der Wahrheit zu sein.
Heißt das nun, dass alles beliebig ist? Keineswegs. Dass uns kein letzter, von aller Perspektive gelöster Standpunkt zur Verfügung steht, bedeutet nicht, dass jede Behauptung gleich gut wäre. Es bedeutet nur, dass Wahrheit nicht verkündet, sondern begründet, geprüft und immer wieder hinterfragt werden muss.
Vera Bauer liest Auszüge aus «Der Name der Rose», David Goldzycher sorgt für die Musik – und Suzann-Viola Renninger ordnet das Gehörte philosophisch ein.
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