Die Leidenschaft für die Poesie hat dem kolumbianischen Dichter Óscar Restrepo selten Anerkennung eingebracht. Der alternde Künstler lebt wieder bei seiner Mutter und muss aus Not eine Stelle als Lehrer annehmen. Als er zufällig die Gedichte der 15-jährigen Yurlady liest, die aus einfachen Verhältnissen stammt, entdeckt er in ihr ein unerwartetes Talent. Sein Engagement, sie zu fördern, wird zunehmend zu einer Projektionsfläche für seine eigenen Träume. Für seinen Film, der auch von den Schwierigkeiten kreativer Arbeit in der kolumbianischen Klassengesellschaft erzählt, ist Simón Mesa Soto unter anderem mit dem Jurypreis «Un Certain Regard» in Cannes ausgezeichnet worden. Mit «Un poeta» habe er seine eigenen Fehler, Zweifel und Widersprüche porträtieren wollen, erklärt der vierzigjährige Simón Mesa Soto. Für ihn, der wie sein Protagonist im Nebenberuf unterrichtet, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, sei der auf körnigem 16-mm-Material gedrehte und damit auf charmante Weise unperfekt wirkende Film sein «persönlicher Exorzismus»: «Was würde aus mir in zehn oder zwanzig Jahren werden, wenn ich das Kino aufgeben würde?»