Von 1926 bis 1973 wurden über 600 jenische Kinder vom "Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse" ihren Familien entrissen – unter dem Vorwand, sie vor einem liederlichen Leben zu retten. "Kinder der Landstrasse" war eine Aktion des sogenannten Hilfswerks Pro Juventute, durchgeführt mit Unterstützung der Behörden. Kürzlich kam ein Rechtsgutachten zum Schluss, dass es sich bei den Kindeswegnahmen um ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" handelte. Eine der Betroffenen ist Uschi Waser. Bereits als Baby wurde sie ihrer jenischen Mutter weggenommen. Sie wuchs in zahlreichen Heimen und immer wieder bei ihrer Mutter auf. Uschi Wasers Kindheit und Jugend war geprägt von Gewalt und Rassismus. Sie baute sich ein eigenständiges Leben auf. Erst mit über dreissig Jahren erfuhr sie, dass hinter ihrer leidvollen Kindheit und Jugend die Pro Juventute stand. Als sie ihre Akten las, brach sie zusammen. Das neue Buch Reden, um nicht zu ersticken von Silvia Süess zeigt anhand der Lebensgeschichte von Uschi Waser, mit welcher systematischen Grausamkeit die Jenischen in der Schweiz verfolgt wurden – und welche Folgen das für die Betroffenen bis heute hat. Zugleich erzählt das Buch von einer Frau, die unermüdlich um Rehabilitierung und Gerechtigkeit kämpft.