Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann
Alles, jederzeit, überall
Als Schauspielerin erreichte Kristen Stewart nach beachtlichen Kindheits- und Jugendrollen, unter anderem in David Finchers „Panic Room“ (2002), mit der „Twilight“-Reihe (2008-2012) den Status eines Teen-Superstars. Trotz ihres frühen Erfolgs ließ sie sich nicht zum massenkompatiblen Postergirl des Kinos machen. Stattdessen trat sie in Indie-Produktionen wie Kelly Reichardts „Certain Women“ (2016) auf und arbeitete mit Regisseuren wie Walter Salles, Olivier Assayas und Pablo Larraín zusammen, um komplexe Figuren spielen zu können. Auf der Leinwand, etwa in der lesbischen Weihnachtskomödie „Happiest Season“ (2020) von Clea DuVall, und abseits davon ist sie inzwischen zu einer queeren Ikone geworden.
Nun liefert sie mit The Chronology of Water ihr Langfilmdebüt als Drehbuchautorin und Regisseurin. Das Werk basiert auf dem 2011 veröffentlichten autobiografischen Roman von Lidia Yuknavitch, der 2024 unter dem Titel In Wasser geschrieben auch auf Deutsch erschienen ist. Die Schriftstellerin erzählt darin fragmentarisch und assoziativ von ihrem Leben, vom sexualisierten Missbrauch durch ihren Vater, von ihrer späteren Alkohol- und Drogensucht, von einer Fehlgeburt und vom Prozess des kreativen Schreibens. Stewart nimmt die Herausforderung an, Yuknavitchs extrem sperrige Memoiren ins Audiovisuelle zu übersetzen.