Feb

5

Donnerstag

Vertigo Trombone Quartet "Openness"

Vertigo Trombone Quartet "Openness" The Bird's Eye Jazz Club, Kohlenberg 20, 4051 Basel Tickets

Credits: Palma Fiacco

Einlass:
-
The Bird's Eye Jazz Club, Basel (CH)

Vertigo Trombone Quartet “Openness”

Nils Wogram - trombone Andreas Tschopp - trombone Bernhard Bamert – trombone Jan Schreiner- bass trombone

Kann ein reines Posaunen-Quarte/ kurzweilig und unterhaltsam sein, ohne sich in den Abgründen der volkstümlichen Musik zu verlieren? Es kann. Mit seinem dri/en Album „Openness“ zeigt das Vertigo Trombone Quartet mit Nils Wogram, Jan Schreiner, Andreas Tschopp und Bernhard Bamert, dass Posaune Spaß machen kann und viermal Posaune eben Spaß hoch vier.

Der Albumttitel ist Programm. Dieses Album zeichnet eine unglaubliche Leichtigkeit, niveauvolle Heiterkeit und bedingungslose Offenheit in alle Richtungen aus. Das soll nicht heißen, dass die Musik nicht anspruchsvoll und virtuos wäre. Im Gegenteil. Doch Wogram spricht von einer charmanten Fehlerquelle, die man zulassen können muss. Er nennt es auch einen gesunden PerfekGonismus. Nun ist diese Haltung im neueren Jazz nur sehr selten zu finden, und genau genommen ist „Openness“ auch gar keine Jazzpla/e, obwohl alle vier Beteiligten mit Jazz sozialisiert sind und assoziiert werden. Was in anderen Kontexten als ImprovisaGon bezeichnet wird, läu] hier auf eine frohgemute Unschärfe hinaus, die sehr viel mit Lebenslust zu tun hat. Denn wer möchte schon an einem warmen Frühlingstag präzise

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Vertigo Trombone Quartet “Openness”

Nils Wogram - trombone Andreas Tschopp - trombone Bernhard Bamert – trombone Jan Schreiner- bass trombone

Kann ein reines Posaunen-Quarte/ kurzweilig und unterhaltsam sein, ohne sich in den Abgründen der volkstümlichen Musik zu verlieren? Es kann. Mit seinem dri/en Album „Openness“ zeigt das Vertigo Trombone Quartet mit Nils Wogram, Jan Schreiner, Andreas Tschopp und Bernhard Bamert, dass Posaune Spaß machen kann und viermal Posaune eben Spaß hoch vier.

Der Albumttitel ist Programm. Dieses Album zeichnet eine unglaubliche Leichtigkeit, niveauvolle Heiterkeit und bedingungslose Offenheit in alle Richtungen aus. Das soll nicht heißen, dass die Musik nicht anspruchsvoll und virtuos wäre. Im Gegenteil. Doch Wogram spricht von einer charmanten Fehlerquelle, die man zulassen können muss. Er nennt es auch einen gesunden PerfekGonismus. Nun ist diese Haltung im neueren Jazz nur sehr selten zu finden, und genau genommen ist „Openness“ auch gar keine Jazzpla/e, obwohl alle vier Beteiligten mit Jazz sozialisiert sind und assoziiert werden. Was in anderen Kontexten als ImprovisaGon bezeichnet wird, läu] hier auf eine frohgemute Unschärfe hinaus, die sehr viel mit Lebenslust zu tun hat. Denn wer möchte schon an einem warmen Frühlingstag präzise planen, wohin sein Weg ihn führt?

Schon auf dem letzten Album seiner Langzei_ormaGon Root 70 legte Nils Wogram eine Entspanntheit an den Tag, die weder für den zeitgenössischen Jazz noch für die Posaune typisch ist. Und wie die Synchronität der Ereignisse so spielt, sind Tschopp, Bamert und Schreiner genau auf demselben Level der Gelassenheit angekommen. Da treffen sich vier Freunde, denen nie der Gesprächsstoff ausgeht, in einer angenehmen SituaGon und fangen einfach an, sich darüber auszutauschen, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Niemand ist der Wor_ührer, keiner will Recht behalten oder sich in den Vordergrund spielen. Und doch kommt jeder mit seiner Haltung, seinen Ideen und seiner Dringlichkeit zum Zug (um im Bild der Posaune zu bleiben).

Es geht zu keinem Zeitpunkt darum, was man mit vier Posaunen machen kann. Das könnten ebenso gut vier Gitarren, Akkordeons oder Maultrommeln sein. Es geht einfach um die Teilhabe an einem ehrlichen Dialog. Im Mi/elpunkt stehen gute Geschichten, die nur deshalb auf vier Posaunen erzählt werden, weil alle vier Protagonisten nun mal Posaunisten sind. „Wir haben als Band seit unserem ersten Album 2014 einen Prozess durchgemacht“, bestätigt Nils Wogram. „Anfangs sind wir mit der Message angetreten, dass wir die Schwierigkeiten überwinden, die das Instrument mit sich bringt. Auf dem dri/en Album können wir entspannt zurückblicken und loslassen. Natürlich haben wir alle sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Wir haben es diesmal so gemacht, dass jedes Stück von dem jeweiligen Komponisten gestaltet wird. Der hat dann auch das Vetorecht, wenn ihm etwas nicht gefällt. Aber trotz dieser Verschiedenheit ist es uns nicht schwergefallen, von Anfang an eine gemeinsame Linie zu finden.“

Natürlich stecken eine Menge Arbeit und Herzblut in einem solchen Album, zumal es so viele verschiedene Ansätze vereint. Aber wenn die Songs einmal durch die Schleusen der Mühsal gegangen sind, hört man ihnen den Aufwand nicht mehr an. Die Mühelosigkeit dieser Musik ist vom ersten Ton an ansteckend. Der Fokus verschiebt sich von der Instrumentaltechnik und den spielerischen Möglichkeiten auf dem Instrument ganz klar in Richtung reine Musik. Hier wird im ursprünglichsten Sinn des Wortes gespielt, Ausgang offen. Wie lautete noch gleich der AlbumGtel? Alle vier Vertigo-Posaunisten sind hörbar gerei], aber gleichzeitig viel verspielter geworden. „Irgendwann wird man wieder zu jener Aufgeregtheit jener Tage zurückgeführt, als man die Posaune zum allerersten Mal in die Hand nahm“, beschriebt Andreas Tschopp dieses bedingungslose Spielgefühl. „Plötzlich kommen wieder Skills aus einer Zeit zum Vorschein, in der ich das Instrument technisch noch gar nicht beherrscht habe, die mir aber heute wieder richGg gut gefallen. Dadurch wird das Spektrum plötzlich wieder viel reicher.“

Eben dieses Spektrum kommt ohne jegliche Begrifflichkeit aus. Ja, vier Posaunen suggerieren zu allererst JAZZ, vielleicht auch Neue Musik, doch mit diesem Programm kann das Quarte/ auch auf jedem Roots Music- oder Jam Rock-FesGval Stürme der Begeisterung en_achen. Ballast, den die vier Musiker seit Jahrzehnten mit sich rumschleppen, wird unsenGmental abgeworfen. Bernhard Bamert betont sogar: „Eine Zeitlang habe ich überhaupt keinen Jazz gehört, sondern nur Klassik, und Volksmusik ist für mich tatsächlich eine wichGge Bezugsgröße.“ Menschen sind nicht kategorisierbar, und der konsequent inklusive Anspruch des AlbumGtels spiegelt sich in der Musik auf verzaubernd zauberha]e Weise wider. Eine entscheidende Rolle für die SGmmung auf dem Album spielte die AufnahmesituaGon. „Wir sind alle zusammen nach Bremen gefahren und haben in diesem Studio wie in einer Wohnung gewohnt und zusammen gekocht“, erinnert sich Andreas Tschopp. „Für mich war dieser ganze Prozess wie eine Klassenfahrt. Das war eine sehr niederschwellige Art aufzunehmen. Wir ha/en nicht das Gefühl, super eingespielt ins Studio zu gehen und PerfekGon abliefern zu müssen, sondern wir sind zusammen in dem Haus, essen oben und gehen dann runter, machen Musik, und jemand nimmt das auf. Das war eine Spontaneität wie bei ganz ursprünglicher musikanGscher Volksmusik. Das ganze Album ist eine Momentaufnahme.“

Genau genommen ist „Openness“ ein Live-Album. Die in der Musik vermi/elte SGmmung erinnert daran, dass „live“ ja nichts anderes als eine Übersetzung für „lebendig“ ist. Auf „Openness“ kommt eine Vielzahl von Melodien, Timbres, Sammungen, künstlerischen Haltungen, individuellen Vorlieben und KonstellaGonen innerhalb der Gruppe zum Tragen. Nichts ist definiert, alles ist offen. Es gelingt den vier Posaunisten hervorragend, nicht nur sich von allen Erwartungshaltungen zu befreien, sondern auch jede Erwartung des Hörers zu pulverisieren.

Wayne Shorter habe mal gesagt, so Tschopp, das Gegenteil von Furcht sei nicht Furchtlosigkeit, sondern Offenheit. Auf diesem Album findet nicht nur jedes Mitglied mit seinen individuellen Ausprägungen einen adäquaten Platz, sondern auch jeder Hörer kann sich in den Songs einrichten, egal wo seine musikalische SozialisaGon verortet ist. In dieser Hinsicht ist „Openness“ mehr als nur ein Stück Musik. „Openness“ ist ein echter Abholer. Eine Utopie genau zur rechten Zeit.

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Veranstalter:in

Bird`s Eye Jazzclub

Total: XX.XX CHF

Infos

Ort:

The Bird's Eye Jazz Club, Kohlenberg 20, Basel, CH

Veranstalter:in

Vertigo Trombone Quartet "Openness" wird organisiert durch:

Bird`s Eye Jazzclub