"Ich habe in meinem Leben keine grossen Fehler gemacht", sagt Nathalie gleich zu Beginn des Films. Es ist die kämpferische Ansage einer Frau, der das Leben viel abverlangt. Mit unerschöpflicher Energie und Einfallsreichtum schlägt sich die alleinerziehende Mutter zweier Kinder mit verschiedenen prekären Jobs durch. Nathalie ist eine Chrampferin. Sie will sich nicht unterkriegen lassen von einem Haufen Mahnungen und einem Berg Schulden – und sich auch nicht ihre Lebenslust nehmen lassen. Auf keinen Fall will sie von der Sozialhilfe abhängig sein. Ihr Leben gerät weiter in Schieflage, als sie von einer langjährigen Arbeitgeberin überraschend gekündigt und durch einen jüngeren Mann ersetzt wird. Dass vor allem alleinerziehende Frauen mit schlecht bezahlten Teilzeitjobs von Armut betroffen sind und es nicht viel braucht – eine Trennung, Kündigung oder Krankheit –, um in eine finanzielle Notlage zu geraten, ist bekannt. Das Verdienst der Regisseurin ist es, versteckte Armut sichtbar zu machen und ungeschönt vom beeindruckenden Überlebenswillen einer Betroffenen zu erzählen. Tamara Milošević sagt über ihr unter die Haut gehendes Porträt: "Der Film ist eine Einladung hinzuschauen – und umzudenken. Schulden sind oft das Ergebnis eines Systems, das Frauen strukturell benachteiligt. Es geht um Gerechtigkeit, um Sichtbarkeit – und darum, sich zu fragen: Was können wir ändern?"