Lange Schwarz-weiss-Einstellungen, die dem Auge Landschaften in ihrer vom Wetter geprägten Materialität vorführen: Das ist nur eines der Mittel, die Béla Tarr verwendet, um die Schwere des irdischen Daseins spürbar zu machen. Mit seinem Film schuf er eine moderne – allerdings im 19. Jahrhundert verortete – Variante des biblischen Hiob-Stoffs. Einem Bauer und seiner Tochter wird aufgrund von Schicksalsschlägen nach und nach die Existenzgrundlage entzogen. Gleich einem Lektüreschlüssel eröffnet der Film damit, den eigenen Titel auszulegen: Bei dem Turiner Pferd, so wird vermittelt, handelt es sich um jene Kreatur, die der Philosoph Friedrich Nietzsche vor der Peitsche eines wütenden Kutschers schützte. Dieser Akt geschah bevor der Philosoph, der für seinen Ausruf «Gott ist tot!» bekannt ist, zusammenbrach und der geistigen Umnachtung anheimfiel. Dass Tarrs Werk diese Anekdote voransteht, eröffnet weite Assoziationsräume, die den Film wie einen Kommentar auf die europäische Kultur- und Philosophiegeschichte erscheinen lässt.