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21

Freitag

Ramuz – Sturz in die Sonne

Ramuz – Sturz in die Sonne Waaghaus, Bohl 14, 9000 St. Gallen Tickets

Credits:

Waaghaus, St. Gallen (CH)

Eine potenzielle Krise – Ignoranz – Krise wird zur fatalen Katastrophe – letzte Appelle an die Vernunft scheitern – die Apokalypse ist unumgänglich. Ein rattenschwanzartiges Muster, in dem man lieber mal nichts tut, bis es dann aber schon zu spät ist. Diese passive Wegschau-Strategie wurde uns schon des Öfteren eklatant vor Augen geführt: 1958 beispielsweise in der Parabel von Biedermann aus Max Frischs Bühnendrama Biedermann und die Brandstifter, die für die unheilvolle Fähigkeit des Menschen steht, eine erkennbar drohende Gefahr auszublenden. Dergleichen 2021 in der US-amerikanischen schwarzen Komödie Don’t Look Up, in der selbst banalste Kommunikation am menschlichen Berg der Ignoranz zerschellt, während ein rasender Asteroid die Erde zu zerstören droht.

Das Festival steht unter dem Motto Spanien und Panta Rhei: alles fliesst, alles verändert sich, nur wir wollen es nicht wahrhaben. Aktuell stehen wir vor einer der grössten Krisen der Menschheitsgeschichte – der globalen Erderwärmung. In diesem Kontext wirkt C.F. Ramuz’ Klimaroman Sturz in die Sonne aktueller denn je, ein visionärer Weckruf vor über 100 Jahren.

Kellerbühne zu Gast: der scheidende Direktor der St. Galler Kellerbühne Mathias Peter trifft auf den Kontrabassisten Ralph Hufenus, der am letzten Festivalabend im

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Eine potenzielle Krise – Ignoranz – Krise wird zur fatalen Katastrophe – letzte Appelle an die Vernunft scheitern – die Apokalypse ist unumgänglich. Ein rattenschwanzartiges Muster, in dem man lieber mal nichts tut, bis es dann aber schon zu spät ist. Diese passive Wegschau-Strategie wurde uns schon des Öfteren eklatant vor Augen geführt: 1958 beispielsweise in der Parabel von Biedermann aus Max Frischs Bühnendrama Biedermann und die Brandstifter, die für die unheilvolle Fähigkeit des Menschen steht, eine erkennbar drohende Gefahr auszublenden. Dergleichen 2021 in der US-amerikanischen schwarzen Komödie Don’t Look Up, in der selbst banalste Kommunikation am menschlichen Berg der Ignoranz zerschellt, während ein rasender Asteroid die Erde zu zerstören droht.

Das Festival steht unter dem Motto Spanien und Panta Rhei: alles fliesst, alles verändert sich, nur wir wollen es nicht wahrhaben. Aktuell stehen wir vor einer der grössten Krisen der Menschheitsgeschichte – der globalen Erderwärmung. In diesem Kontext wirkt C.F. Ramuz’ Klimaroman Sturz in die Sonne aktueller denn je, ein visionärer Weckruf vor über 100 Jahren.

Kellerbühne zu Gast: der scheidende Direktor der St. Galler Kellerbühne Mathias Peter trifft auf den Kontrabassisten Ralph Hufenus, der am letzten Festivalabend im Jazz-Quartett im Rahmen von Ballads & More erneut zu erleben sein wird. Gemeinsam bringen sie Ramuz’ literarische Klimafiktion als intensives Zusammenspiel von Wort und Klang auf die Bühne.

Szenario wie aus dem Bilderbuch: Ramuz’ Roman liest sich heute wie ein Spiegel im Zeitraffer – schmelzende Gletscher, globale Waldbrände, extreme Hitzewellen. Doch die Menschen am Ufer des Genfersees geniessen ihr Leben, als gäbe es wortwörtlich kein Morgen. Vor dem feuerroten Vorhang entfaltet sich das Endspiel: Die Welt geht durch eine verderbliche Hitzewelle, die soziale Ordnung gerät aus den Fugen. Einer für alle und alle für einen? In der Hitze des Gefechts scheint selbst dieses Muster zu schmelzen.

Die Bildwelt des Romans – brennende Landschaften, schmelzende Gletscher, eine Gesellschaft im Stillstand – entfaltet sich als akustisch-szenische Versuchsanordnung. Der Kontrabass reagiert dabei unmittelbar auf den Text: mal als glühender, perkussiver Körper, mal als atmender Resonanzraum der Hitze. In künstlerischen Pausen wechseln sich Wort und Musik ab, teils verschmelzen sie, teils versuchen sie sich gegenseitig den Raum zu nehmen.

Der Funken ist gesprungen: Matthias Peter zieht dafür alle Register. Wie ein Prophet steht er in weiss gekleidet mit starker Präsenz auf der Bühne, verliert nicht eine Sekunde den Spannungsbogen. Mit simplen, aber wirkungsvollen Gesten lässt er Figuren entstehen, lässt Seiten fallen wie Flugblätter, lässt Sprache zur Handlung werden. Ralph Hufenus antwortet mit Klangbildern – zupfend wie glühendes Eisen, atmend wie flirrende Hitze, eruptiv und zerbrechlich zugleich.

So entsteht ein performatives Hörspiel über eine Welt im Ausnahmezustand – und über die Frage, warum wir so oft wissen, aber nicht handeln. Am Ende bleibt die Frage offen: Wo bleibt der Fortschritt in der Klimakrise, wenn es längst zu heiss ist, um noch innezuhalten?

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Veranstalter:in

Sinfonietta Sankt Gallen

Total: XX.XX CHF

Infos

Ort:

Waaghaus, Bohl 14, St. Gallen, CH

Veranstalter:in

Ramuz – Sturz in die Sonne wird organisiert durch:

Sinfonietta Sankt Gallen

Kategorie: Theater & Bühne